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Die Einladung

Geschrieben von Mirella Furlan - 02. Juli 2007

Gestern fiel mir eine alte Einladung meiner Ex-Schwiegereltern in die Hände. Was waren mir diese Familienfeiern immer ein Graus gewesen. Letztlich nahm ich nur daran teil, weil ich ihren Sohn damals liebte und ich um sein großes Harmoniebedürfnis wusste. Nur seine Familie veranstaltete diese Feiereien, meine Familie ist da ganz anders, ein wenig italienischer eben. Vor diesen Festivitäten, erhielt ich immer(!) einen fürsorglichen Anruf der Veranstalter, die mich darauf hinwiesen, dass der Geschmacksträger des Hauptmenüs, Fleisch sei - Traditionell: Grünkohl mit Kasseler und Kochwurst oder Tafelspitz mit Dosen-Champingions in brauner Maggi-Soße, Gemüseplatte, Salzkartoffeln und Krokette. Da ich die EINZIGSTE wäre, die kein Fleisch essen würde, wäre man völlig verunsichert, wie man mich nahrungstechnisch durch den Abend bringen solle. Ich könnte schwören, dass ich mehrmals sowas wie: “Das macht die doch extra”, im Hintergrund jemanden sagen hörte. Ich hatte mir für diese Situationen längst einen Karteikasten zugelegt, der schon im Vorweg zur Konfliktvermeidung mit dem Clan meines damaligen Mannes dienen sollte und er hatte mir auch schon gute Dienste geleistet. So griff ich also souverän unter “G”, wie “Gemeinsames Essen” hinein, zog locker die passende Karte hervor und antwortete:”Macht euch keine Umstände. Ich esse dann die Beilagen.” Dann ging es meistens fünfmal hin und her: “Wirklich?” - “Wirklich!” Der Tag X kam. Mein erstes Bestreben war es immer, wenigstens zwei (besser drei!) Gläser des Empfangssektes auf ex zu kippen. Das machte mich lockerer, ich lächelte dann auch irgendwie natürlicher, obwohl ich wusste, was gleich kommen würde. Einer der Gastgeber würde auf mich zukommen (meist schickten die Frauen ihre Männer) und flüsterten mir zu, dass man nun doch EXTRA für mich einen Salatteller bestellt hätte und dass man mir, nur damit der Kellner keinen Fehler begehen solle, mir einen EXTRA-Platz zugewiesen hätte. Dabei würde man mir noch verschwörerisch zuzwinkern. Okay, nahm ich also, so etwa 2km von meinem Mann und meinen Kindern entfernt, Platz. Nach der Begrüßungsrede, brüllte dann einer vom weißbeschürzten Personal quer durch den Saal, wer denn hier den Salatteller bekäme und noch bevor ich antworten konnte, zeigten alle mit dem Finger auf mich, selbst meine Stammfamilie. Während die anderen dann ordentlich reinhauten und mir mitleidig zuraunten, dass ich gar nicht wisse, was ich verpassen würde, blieb mir schon aus Selbstschutz nichts anderes übrig, meinen Salatteller anzupreisen, der zur Hälfte aus frisch aus der Dose gekippten Mais und Erbsen bestand. Mein damaliger Mann hatte in der Zwischenzeit - nach 15 Jahre Ehe weiß man, was der andere gerade fühlt - eine Flasche Pino Grigio für mich bestellt. Nach dem Essen fingen dann alle an zu saufen. Und weil man in Schleswig-Holstein war, wurde früher oder später das “Schleswig-Holstein-Lied” gegrölt. Refrain: “Da wird die Sau geschlacht’, da wird die Wurst gemacht…. im schöhöönen Schleswig-Holstein-Land”. Das war immer der Moment, in dem ich hinter sämtlichen Hobbyfotografen herlief, um die Herausgabe des Filmes zu verlangen und nur von ihnen abließ, wenn sie mir glaubhaft versicherten, dass sie vor der Verbreitung ihres Filmmaterials, meine Augen durch einen schwarzen Balken verdecken würden. Irgendwann dann flehte ich meinen damaligen Mann an, diese Lokalitäten endlich verlassen zu dürfen und mit einem Daumendruck auf seine Stoppuhr und einem anerkennenden Lächeln, nickte er endlich. Artig überstand ich sogar noch die Verabschiedung und höre Stimmen, die sagen:”Das schönste Fest seit langem…” und ich dachte:”Ja, schöner können nur Verbrennungen dritten Grades sein…” und fiel dann, sobald ich den Beifahrersitz erreicht hatte ins Koma. Manchmal bekam ich danach anonyme Briefe. “Spaßbremse!”, stand da in ausgeschnittenen Buchstaben. Unfair, finde ich, wo ich mir immer so viel Mühe gab!

Dieser Beitrag ist veröffentlicht in der Kategorie: Kurzgeschichten