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Freundinnen

Geschrieben von Mirella Furlan - 25. Juni 2007

Was wäre ich, ohne meine Freundinnen?
Ganz sicher um ein etliches humorloser. Bieten sie mir doch immer wieder die Gelegenheit herzhaft zu lachen. Schließlich können wir über alles reden und anders als vermutet, nicht immer über Männer.
Meine Freundinnen und ich erzählen uns ausschließlich von uns selbst.
Was bin ich froh, dass sie mit mir altern, denn als sie ihre Zeit in Stillgruppen verbrachten, wurde ich etwas nervös und entkam nur knapp einer Scheinschwangerschaft. Meine Kinder liefen mir dann irgendwie so einfach zu und meine Freundinnen lächelten mit dem Ausdruck “Sie und ihre Extra-Würste” milde an. Heute tragen nur sie ihre Schwangerschaftsstreifen mit Würde und das Wissen um das Wunder der Geburt reiben sie mir ständig unter die Nase. Ich durfte bei einigen dieser Wunder dabei sein, oder mir wurde danach davon berichten, daher ahne ich daran. Es ist doch so, während des Wunders wurde es “wie Arm abreißen” am lebendigen Leib erlebt, aber nur Tage später ploppte in den lindgrünen Babyzimmern, von jeder Tapetenborte die Sinnerfüllung hin und her. Heute leben sie alle auch mit Kindern zusammen, die sie nicht aus sich rausgepresst haben, weil neben dem neue Partner (aber wir reden kaum über Männer) eine pubertierende Tochter oder ein pickeliger Sohn aus dessen erster Ehe, am Abendbrottisch sitzen - wenn sie denn mal dort sitzen und nicht aus Protest lieber in ihrem Zimmer essen, das in den meisten Fällen nur nach schriftlicher Genehmigung, von Stiefmüttern betreten werden darf. Wir befinden uns also wieder auf einem Level. Nein, nicht ganz, weil ich bin schon Oma, was ich ihnen aber nicht unter die Nase reibe, da will ich auch großzügig sein. Wir reden auch kaum noch über die Kinder, weil wir alle Simone de Beauvoir um Jean-Paul Sartre beneideten und schon der schrieb, dass das größte Übel der Jugend wäre, selbst nicht mehr dazuzugehören. So verzeihen wir auch Nina Hagen, dass sie bei “Popstars” mitmacht.
Gemeinsames Menstruieren ist angesichts der zu erwartenden Menopause und den tollen Frauen von “Misfits” auch kein Thema mehr. Natürlich achten wir auf unsere Körper. Veränderungen werden aber nur selbst bemerkt. Freundinnen sind da, um sie zu verharmlosen. Konsequent gesund leben wir alle nicht. Diäten waren für uns schon zu Lila-Zeiten verpönt. Warum sollten wir nun ausgerechnet jetzt, wo wir doch erfahren haben, dass es genügend Männer gibt, die warme, runde Frauen im Bett bevorzugen, uns keiner Lila-Pause hingeben? Wir treffen uns dennoch jeden Samstag auf dem Bio-Markt im “Viertel”, weil wir das unseren grünen Gedanken irgendwie schuldig sind. Überhaupt sind wir gern widersprüchlich und lieben es uns darin gegenseitig zu übertrumpfen.
Eine Esoterikerin hätte es in unserem Kreis schwer. Wir sprechen nicht mit Steinen öder Bäumen und wir können nichts dafür, dass uns Barbara zu jedem Geburtstag ein persönliches Horoskop anfertigt.
Über Mode und Schuhe reden wir nur mit Männern, oder wenn wenigstens einer dabei ist, sonst macht das ja gar keinen Sinn. Jede von uns hat auch längst ihre Kosmetikserie gefunden und würde sich schon wegen der Hautirritation hüten, diese zu wechseln. Also auch kein Thema mehr.
Aber am allerwenigsten reden wir über Männer. Man hat einen, oder nicht, oder hat einen und ist unglücklich, oder man hat einen und hat sich so an ihn gewöhnt, dass er keine Rede mehr wert ist, oder man hat einen und ist glücklich, dann gibt man damit aber nicht vor den Freundinnen an.
Und falls doch, wen ruft sie wohl an, wenn er plötzlich ihre Wäsche tragen will? Nicht Sarah Jessica Parker oder sonst wen aus “Sex in the City”, nein, mich oder eine der anderen.
Wir rauchen dann, trinken Wein und sind froh darüber Frauen zu sein und nicht ständig über Männer reden zu müssen!

Dieser Beitrag ist veröffentlicht in der Kategorie: Kurzgeschichten