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Kunstkenner

Geschrieben von Mirella Furlan - 10. September 2005

“Wenn ich es könnte, würde ich jedenfalls gegenständlich malen, so wie Balthus, sagte er, “ganz sicher würde ich, wäre ich Maler, gegen die Welt anmalen, ich würde anklagen und aufklären!”

Ich bemühte mich nicht all zu verächtlich zu lächeln, sondern geduldig zuzuhören und erwiderte:”Mach’ es doch einfach! Dann würdest du also wie Balthus auch überall noch deine Ehefrau in diese Bilderwelt hineinmalen, liegend, oder nackt, mal hier, mal dort, jedoch immer harmlos und schön?”

“Natürlich würde ich versuchen, das Kitschige zu vermeiden”, verteidigte er sich, “aber dieser Realität muss geantwortet werden, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln hat die Kunst der aus den Fugen geratenen Welt entgegenzuwirken, und sei es durch Entlarvung des Hässlichen oder durch das immer wieder neue Entdecken des Schönen!”

“Dann mach’ es doch!”, sagte ich und schluckte mehrmals leer.

“Eine Reaktion auf diese Welt kann natürlich auch sein, dass ich als Künstler sage: Nein, jetzt setze ich noch eins drauf, nein jetzt dränge ich mich mit meiner Sicht nicht in den Vordergrund! Jetzt mische ich mich nicht auch noch ein!

Jetzt reagiere ich nicht mehr tölpelhaft direkt!

Ich agiere jetzt!

Nehme mir die Freiheit in einem unbegrenzten Raum Ruhe zu gestalten,
indem ich eine gesichtslose Fläche so bemale, wie es mir bekommt!”

Er nahm eine weiße Leinwand zur Hand.

“Ist es im Chaos der Signale und Impulse, in der übersättigten, beschleunigten Alltagswelt nicht eine Wohltat, sich vor einem reinweißen Bild wiederzufinden?”

Er hat mir dann aber doch noch ein Bild abgekauft.

Dieser Beitrag ist veröffentlicht in der Kategorie: Kurzgeschichten