Romantik kann ich schon ganz gut
Die Party war öde.
Ich habe es wirklich versucht, habe mich zu einigen Small-Talk-Grüppchen gesellt, freundlich gelächelt und mir wirklich, wirklich Bemerkungen überlegt, die die Runde erheitern und mich strahlend hätten erscheinen lassen können.
Weiß der Teufel, warum mir immer nur Zynisches einfiel.
So langsam taten mir schon die Augen vom Verdrehen weh, als ich am anderen Ende des Gartens, ein recht prächtiges Exemplar der Gattung Mann entdeckte. Genau meine Kragenweite! Bestimmt ist der nicht allein hier, aber gucken darf man ja mal. Ich ließ ihn etwa 32,4 Minuten nicht aus den Augen. Leider sah er mich nicht. Ständig stellten sich zig Leute zwischen mich und ihn und das mit Absicht, ich bin mir sicher.
Die Gastgeberin tauchte plötzlich vor mir auf und fragte, ob ich mich amüsieren würde. Wie ich mich, umringt von einem so großen Haufen von interessanten Leuten nicht gut unterhalten könnte, konterte ich. Sie lächelte zufrieden und ich hatte das merkwürdige Gefühl eines Klump-Fußes, linksseitig. Na toll, nun war er verschwunden! Und das, wo doch bisher noch keine der Frauen um ihm herum, ihn um Getränke-Nachschub gebeten, ihm einen Fussel vom Sommer-Hemd zuppelt, oder sonst irgendwie signalisiert hatte, dass das IHRER wäre.
Am Ende ist der solo und ich hab’ ihn jetzt für immer verloren.
Es war in der Zwischenzeit dunkel geworden und dass in meiner Handtasche keine Taschenlampe zu finden war, passte stimmig zum bisherigen Verlauf des Abends.
Aber dann entdeckte ich ihn doch. Er stand hinten an einem großen Rhododendron und blickte zum Himmel. Jetzt, oder nie, dachte ich, schmiss mir gekonnt ein Pfefferminz in den Mund und visierte das Ziel-Objekt.
Es hätte alles so schön werden können:
A) Romantik (laue Nacht, Sterne, alles da).
B) Mein Zustand (Haare frisch gefärbt, 5 Kilo abgenommen, nicht zu viel getrunken).
C) Er (wäre nicht so schlimm, wenn er kein Bildhauer wäre).
D) Meine Kinder sind groß.
E) Die Geschäfte laufen gut.
Ich stellte mich also neben ihn, schaute mit ihm zu den Funkel-Dingsdas und fragte mit der Synchron-Stimme von Marilyn Monroe:
“Na, schaust Du Dir die Sterne an?”
“Nein”, sagte er, “eigentlich pinkle ich gerade!”
Aus uns ist dann übrigens doch nichts geworden.
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