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Sonntag

Geschrieben von Mirella Furlan - 21. August 2007

Als sie erwachte, hörte sie das ihr vertraute und geliebte Geschirrgeklappere. Es war Sonntag. Er hatte schon Brötchen geholt und bereitete jetzt das Frühstück für die Familie vor. Sie hatte, wie gewöhnlich am Abend nicht einschlafen können, es deshalb schließlich aufgegeben und stattdessen die Ruhe des Hauses genossen, etwas Rotwein getrunken, ihre Musik gehört und einfach nur ins Leere gestarrt und ihre Gedanken kommen und gehen lassen. Sicher, es waren nicht immer angenehme Gedanken, im Gegenteil, meist kam dieses Gefühl einer unbestimmbaren Angst, aber mit den Jahren hatte sie bemerkt, dass es besser war in solchen Situationen den Schlaf nicht erzwingen zu wollen, da es ein aussichtsloser Kampf war. Es war schlimm für sie nicht schlafen zu können. Sie wusste, dass sie diesen Schlaf benötigte, um den alltäglichen Anforderungen am nächsten Tag gerecht werden zu können. Und das musste sie, um sich gut zufühlen, für sich selbst.

Die Kinder schliefen noch, zumindest waren sie noch nicht zu hören.
Nur die Geräusche aus der Küche und jetzt auch der Geruch von frisch aufgebrühtem Kaffee. Es war nicht so, dass ihr dieser Geruch Appetit auf das Frühstück machte, sondern er gehörte einfach zu diesem Moment dazu. Genau das waren die Bedingungen, die sicher machten, ganz ruhig einschlafen zu können, dann tief und fest zu schlafen und erholt wieder zu erwachen. In spätestens fünf Minuten würde sie aufstehen, ins Bad gehen, den Tag anfangen lassen. Seltsamerweise stimmte sie das nicht verbittert. Es genügte ihr das Wissen der Möglichkeit, ohne dass sie wirklich genügsam war.

Als sie am Küchentisch saß, war die Nacht längst vergessen. Sie nahm einen Schluck Kaffee, behielt die Tasse in beiden Händen, stütze ihre Ellenbogen auf der Tischplatte ab und sah zu ihrem Mann hinüber. Er wirkte durch die kleinen Streitigkeiten der Kinder genervt, wie jeden Sonntag. Ein ruhiges Frühstück, mit drei ausgeschlafenen Kindern, ist und bleibt ein unerfüllter Wunsch. Sie wusste es. Er nicht.
“Sie sind gleich fertig,” sagte sie zu ihm.
Er verdrehte ein wenig die Augen, stand auf und holte sich eine Zeitung. Bevor er sich wieder setzte, schob er seinen Stuhl zurück und zog seine Tasse näher zu sich heran.

Es war schön, den Wind im Gesicht zu spüren.
Sie trat ein wenig schneller in die Pedale ihres Fahrrades. Er fuhr etwa 20 Meter vor ihr, neben ihm lief der Hund, hinter ihm fuhren die Kinder.
Immer wieder diese Reihenfolge, bei jedem Fahrradausflug, ohne das es je besprochen wurde.
Oder? Sie wusste es nicht.
Ihr gefiel ihre Position in der Fahrradkette. So hatte sie alle vor sich, konnte sie beobachten, konnte reagieren, wenn es nötig war.
Die Kinder in der Mitte, sie bestimmten das Tempo und die Pausen.
Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen.

“Und, wie findest Du ihn?”, fragte die Freundin.
Sie blickten den beiden Männern hinterher, die durch den Garten schlenderten, ab und zu stehen blieben und sich unterhielten.
“Sehr nett!”, antwortete sie und setzte mit einer Hand die Sonnenbrille ab.
Frage - Antwort. Einfache Sache.
“Ich beneide Dich um die Art, wie er Dich küsst”, sagte sie und schlug die Beine übereinander.
“Ja”, sagte die Freundin und lehnte sich zurück.
Auf den Apfelkuchen hatte sich eine Wespe gesetzt und sie ließ sie sitzen.

Um etwa 23 Uhr, ließ er den Hund noch mal raus, ging durch alle Zimmer, öffnete Fenster, löschte Lichter, sah den Kindern eine Weile beim schlafen zu.
Auch er ging jetzt schlafen, wollte noch lesen, aber morgen ist Montag.

Dieser Beitrag ist veröffentlicht in der Kategorie: Kurzgeschichten