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Manche Fliegen haben Langeweile

Geschrieben von Mirella Furlan - 17. Juli 2006

Manche Fliegen haben Langeweile.
Eine davon wohnt in meinem Schlafzimmer.
Ja. Okay, hier passiert ja auch nicht viel, aber ihr Sexualleben ist als Single auch nicht so prickelnd. Ich liege also in meinem Bett. Sie wird Nacht-Aktiv. Zuerst bin ich noch gelassen und denke, dass sie bei ihrem Brummen eine Zweimotorige sein muss. Also kommt meine Träume, ich brauche Euch und heute unbedingt in Farbe. Da setzt sich das freche Ding auf meine Wange. Es kitzelt, verscheuche sie, lege mich noch mal bequem zurecht. Jetzt aber.

Nein, wieder habe ich sie im Gesicht.
Ich beachte sie jetzt einfach gar nicht.
Der wird es schon auch zu blöd werden, denke ich so etwa 2 Minuten - und die können echt lang sein, während sie kreuz und quer mein Gesicht bewandert. Wenn Du hier auch noch picknicken willst, dann nimm danach wenigstens deinen Müll wieder mit, schnauze ich sie an. Sie dreht eine kurze Runde und landet kurz unter meinem linken Auge. Ich öffne beide schlagartig, schon auch um ihr zu zeigen, dass ich noch nicht tot bin und sie sich unterstehen soll, ihren möglichen Kollegen in meinem Haus, falsche Informationen zu liefern. Sie dreht eine Runde und landet auf meinem Kinn. Okay, schlafe ich halt mit einer Fliege am Kinn. So, gute Nacht!
Sie fliegt weg, nur kurz, um auf derselben Stelle wieder zu landen.
Das macht sie genau neunmal, bis mir das zu blöd wird und ich zieh’ mir einfach die Decke bis zur Nase.
Na mal sehen, was sie jetzt macht.
Hm, nichts. Ich warte. Immer noch nichts. Wo ist die denn?
Mir kann’s ja egal sein. Ich schlafe jetzt.
Ob ihr was passiert ist? Vielleicht hat der Hund sie geschluckt.
So wie der stinkt, ist sie vielleicht da hin und der Hund der fackelt da nicht lange. Der ist kein Pazifist. Hat sie halt Pech gehabt. Wie auch immer, ich schlafe jetzt. Gleich. Ganz bestimmt.

Da saß ich schon, in schwarz-weiß, in einer Cocktail-Bar, irgendwo wo es heiß war, jedenfalls hatten die da Ventilatoren an der Decke - und nein, es war nicht Casablanca, weil so klischeehaft träume ich nun auch nicht - da kam ein Mann in einem weißen Anzug herein. Er fragte mich höflich, ob der Barhocker neben mir noch frei wäre. Ich nickte mondän (das kann ich scheiße gut!) und er setzte sich. Ein interessanter Typ insgesamt und ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich in meinen Träumen immer eine wahnsinnige Anziehungskraft auf Männer habe.

Ich schlage meine Beine übereinander, nur um das ganze sicherheitshalber zu unterstützen, da sagt er, ohne mich anzusehen:
Ist es Ihnen auch schon aufgefallen?
Was meinen Sie?, frage ich zurück.
Es gibt keine einzige Fliege hier, sagt er mit einem ganz komischen Lächeln.
Ich hab’ ihm dann eine runtergehauen. Mein Bettzeug geschnappt, Treppe hoch ins Gästezimmer und da geschlafen.
Soweit kommt es noch, dass ich mich von einer Fliege verarschen lasse!

Dieser Beitrag ist veröffentlicht in der Kategorie: Leseproben