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Es kostet mich ein Lächeln,
wenn der Kühlschrank schon wieder leergefressen
und nur Gewürzgurken noch tapfer vor sich hinschwimmen.

Es kostet mich Geduld,
wenn jungen Seelen schon wieder tief verletzt
und nur noch bei mir ausruhen wollen.

Es kostet mich Verständnis,
wenn nachts um 3 eine Freundin nicht schlafen kann
und in den Telefonhörer lallt.

Es kostet mich einen Fingernagel,
wenn die verfluchte Hülle von der neuen CD nicht abgehen will
und ich sie unbedingt jetzt hören muss.

Es kostet mich Überwindung
wenn ich Dir einen Splitter ziehen soll
und Du schon vorher schreist.

Es kostet mich 55 Cent
wenn ich Dir den letzten Brief handschriftlich verschicke.
So ist das mit den Lebenshaltungskosten.

Meine Schlucht

Da hing ich
an einer alten Baumwurzel
über der Schlucht
und wartet darauf, dass ich mich nicht mehr halten konnte.
Ohne Angst.
Wenn ich erst gefallen war
die Ruhe auch um mir ist
und ich mir selbst über die Wange streiche
weil Tränen wortlos fließen
kommt das Ausatmen.
Das wunderbare Ausatmen.

Meinen Körper werde ich dankbar ablegen
und mir selbst die Augen schließen
die viel zu viel gesehen haben.
Das war auch ihre Schönheit.
Meine Hände
faltig, aber nicht gefaltet
werden ich offen
auf meinen Schoss legen.
Meine Lippen
noch purpurrot
nach einem Kuss begehrend
sollen bleiben.
So zärtlich werde ich zu mir sein.

Kein Zorn mehr auf die Feigheit derer
die zu Kleinerem bestimmt waren
Kein Flammenschwert aus meinen Haaren
gegen alle, die voll Ignoranz
an Abendbrottischen sitzen
und so den Abend feiern.
Versöhnung
auch mit allen geliebten Töchtern.

Ich wollte schon loslassen
als ich oben einen Himbeerstrauch sah
an dem noch eine reife Frucht hing.
Und ich schwang mich nach oben
pflückte und schmeckte sie.

Verzeih’ mir

Als auch die Nacht sich legte
und der neue Morgen
alle Nebel zerrissen hatte
wurde ich ruhig
und sah Dir beim Schlafen zu.

Als der Mittag da war
und die Zeitung, längst gelesen
zu einem Hut gefaltet war
wurde ich müde
und sah Dir beim Essen zu.

Als der Abend dazukam
und alle Sonnenschirme, eingepackt
wie Ausrufezeichen im Garten standen
wurde ich munter
und sah mich im Spiegel.

Als die Nacht sich ausbreitete
und der Regen im Moos vergrünte
um auf den Morgen zu warten
wurde ich nervös
und verließ unser Haus.