Was wäre ich, ohne meine Freundinnen?
Ganz sicher um ein etliches humorloser. Bieten sie mir doch immer wieder die Gelegenheit herzhaft zu lachen. Schließlich können wir über alles reden und anders als vermutet, nicht immer über Männer.
Meine Freundinnen und ich erzählen uns ausschließlich von uns selbst.
Was bin ich froh, dass sie mit mir altern, denn als sie ihre Zeit in Stillgruppen verbrachten, wurde ich etwas nervös und entkam nur knapp einer Scheinschwangerschaft. Meine Kinder liefen mir dann irgendwie so einfach zu und meine Freundinnen lächelten mit dem Ausdruck “Sie und ihre Extra-Würste” milde an. Heute tragen nur sie ihre Schwangerschaftsstreifen mit Würde und das Wissen um das Wunder der Geburt reiben sie mir ständig unter die Nase. Ich durfte bei einigen dieser Wunder dabei sein, oder mir wurde danach davon berichten, daher ahne ich daran. Es ist doch so, während des Wunders wurde es “wie Arm abreißen” am lebendigen Leib erlebt, aber nur Tage später ploppte in den lindgrünen Babyzimmern, von jeder Tapetenborte die Sinnerfüllung hin und her. Heute leben sie alle auch mit Kindern zusammen, die sie nicht aus sich rausgepresst haben, weil neben dem neue Partner (aber wir reden kaum über Männer) eine pubertierende Tochter oder ein pickeliger Sohn aus dessen erster Ehe, am Abendbrottisch sitzen - wenn sie denn mal dort sitzen und nicht aus Protest lieber in ihrem Zimmer essen, das in den meisten Fällen nur nach schriftlicher Genehmigung, von Stiefmüttern betreten werden darf. Wir befinden uns also wieder auf einem Level. Nein, nicht ganz, weil ich bin schon Oma, was ich ihnen aber nicht unter die Nase reibe, da will ich auch großzügig sein. Wir reden auch kaum noch über die Kinder, weil wir alle Simone de Beauvoir um Jean-Paul Sartre beneideten und schon der schrieb, dass das größte Übel der Jugend wäre, selbst nicht mehr dazuzugehören. So verzeihen wir auch Nina Hagen, dass sie bei “Popstars” mitmacht.
Gemeinsames Menstruieren ist angesichts der zu erwartenden Menopause und den tollen Frauen von “Misfits” auch kein Thema mehr. Natürlich achten wir auf unsere Körper. Veränderungen werden aber nur selbst bemerkt. Freundinnen sind da, um sie zu verharmlosen. Konsequent gesund leben wir alle nicht. Diäten waren für uns schon zu Lila-Zeiten verpönt. Warum sollten wir nun ausgerechnet jetzt, wo wir doch erfahren haben, dass es genügend Männer gibt, die warme, runde Frauen im Bett bevorzugen, uns keiner Lila-Pause hingeben? Wir treffen uns dennoch jeden Samstag auf dem Bio-Markt im “Viertel”, weil wir das unseren grünen Gedanken irgendwie schuldig sind. Überhaupt sind wir gern widersprüchlich und lieben es uns darin gegenseitig zu übertrumpfen.
Eine Esoterikerin hätte es in unserem Kreis schwer. Wir sprechen nicht mit Steinen öder Bäumen und wir können nichts dafür, dass uns Barbara zu jedem Geburtstag ein persönliches Horoskop anfertigt.
Über Mode und Schuhe reden wir nur mit Männern, oder wenn wenigstens einer dabei ist, sonst macht das ja gar keinen Sinn. Jede von uns hat auch längst ihre Kosmetikserie gefunden und würde sich schon wegen der Hautirritation hüten, diese zu wechseln. Also auch kein Thema mehr.
Aber am allerwenigsten reden wir über Männer. Man hat einen, oder nicht, oder hat einen und ist unglücklich, oder man hat einen und hat sich so an ihn gewöhnt, dass er keine Rede mehr wert ist, oder man hat einen und ist glücklich, dann gibt man damit aber nicht vor den Freundinnen an.
Und falls doch, wen ruft sie wohl an, wenn er plötzlich ihre Wäsche tragen will? Nicht Sarah Jessica Parker oder sonst wen aus “Sex in the City”, nein, mich oder eine der anderen.
Wir rauchen dann, trinken Wein und sind froh darüber Frauen zu sein und nicht ständig über Männer reden zu müssen!
Er hatte den Stein sorgfältig ausgesucht. Nicht zu schwer sollte er sein, aber doch von genügend Gewicht, um diese verdammte Scheibe klirren zu lassen.
Als er ihn in seine Jackentasche steckte, riss diese ein wenig ein und wie zum Trotz legte er auch noch seine Hand über ihn. Es tat gut ihn zu fühlen. Ganz glatt war er und noch kalt.
Entschlossen zog er die Wohnungstür zu, lief leichtfüßig die Treppen herunter, vorbei an den Briefkästen, die keine Post für ihn haben konnten, um ihn aufzuhalten.
Es war nicht weit bis zu ihrem Haus. Der lärmende Straßenverkehr war ihm so vertraut, dass er nicht störte, als er diese Melodie wieder im Kopf hatte. “Das ist euer Lied” schrie der Herzblatt-Moderator in seinem Kopf. Ja, dann passt es doch! Wenigstens das! Alles hätte passen können, wenn SIE es nur gewollt hätte. Er hatte sich doch einen Job gesucht und nur noch am Wochenende gekifft. Beim Zahnarzt war er sogar für SIE gewesen. Ohne sie, heldenhaft! Und immer wilder hatte sie ihn geküsst dafür. Ihre Küsse, nach denen er sich sehnte. Seine Hände in ihrem Haar.
Jetzt nicht mehr!
Und wie sie sich liebten. Manchmal lachend, albern fast, weil SIE nie genug haben konnte und er ja auch nicht, aber ihrer Körper zu erschöpft waren. Ein paar mal hatte er auch geweint. Nicht aus Glückseeligkeit, sondern weil er noch so tief in sie dringen konnte, niemals aber ganz mit ihr verschmelzen konnte. Er wollte eins sein mit IHR. Von ihm aus auch nur die zweite Hälfte eines Ganzen. Darauf hätte man sich doch einigen können.
Jetzt nicht mehr!
An einer Ampel blieb er stehen. Erst als die anderen die Straße überquerten, setzte auch er wieder einen Fuß vor den anderen, als ihm plötzlich von hinten jemand auf die Schulter klopfte. Er erschrak. Es war Jorge, ein Freund von ihm. Die Flasche Bier in seiner Hand und die Fahne aus seinem Mund, hätten ihn auch bei plötzlicher Taub- oder Blindheit, erkennen lassen. Jorge hatte keine Frau. Wollte er auch gar nicht, wie er immer wieder unterstrich. Is ja doch nur Generve. Nur wenn er genug Geld für Wodka hatte und seine Zunge schwerer wurde, ja dann zum kuscheln, aber das würde ihm schon reichen.
“Jorge! Tut mir leid, ich hab’s eilig.”
“Ja, Mann. Wo willst Du denn hin? Zu Michaela?
“Genau”
“Ey, dann grüß’ sie von mir.”
“Mach’ ich”
Zum Glück schlug Jochen eine andere Richtung ein. Er hatte keine Lust mit ihm zu reden.
Jetzt nicht!
Er fühlte noch immer den Stein. Stein des Anstoßes, Stein, der ins Rollen kam, Herz aus Stein, ohne einen Stein zu erweichen, ein Stein, der vom Herzen fällt, von außen in das Glashaus rein. Er sitzt da nicht mehr.
Nie mehr!
Er war jetzt vor IHREM Haus. Ganz ruhig blieb er stehen. Gleichmäßig schlug sein Herz.
Dann warf er ihn, drehte sich um und ging.
Gut hatte er getroffen. Sie wird die Tür schon geöffnet haben. Eine Frau, die an der Bushaltestelle gewartet hatte, rief jetzt, er sei es gewesen.
SIE kam ihm nicht hinterher.
Nie mehr!
Es wurde schon hell, als ich mit ihm, Arm im Arm, nach Hause torkelte.
Er hatte heute Geburtstag. Nein, gestern.
Seine Freundin war weg und er hatte den ganzen Abend von ihr erzählt.
Ich war auch schon fast verliebt in sie.
Wir liefen die Straßenbahnschienen entlang, wie zum Protest, gegen alles und den Verkehr.
“Du hast auch schöne Augen,” sagte er, “aber ihre waren so… so… unbeschreiblich”
Er stolperte, fiel hin und ich fast auf ihn drauf.
Ich half ihm wieder hoch, er fluchte und ich schlug vor, doch ein Taxi zu nehmen.
“Wenn ich mit einer Lady Taxi fahre, dann will ich das verdammt noch mal auch allein bezahlen können”
Okay, ich zog jetzt meine Pumps aus und lief barfuß, um nicht mit blutenden Füßen anzukommen.
“Weißt Du was?”, sagte er, “das da oben ist ein Planetarium” und zeigte zum Himmel.
So gesehen, ja.
“Weißt Du was?”
Sag’ es mir.
Ab jetzt lassen wir die wörtliche Rede weg!
Abgemacht!
Und alle Satzzeichen
Okay
Und weißt Du auch wieso wir das machen
weil wir cool sind
schreiben wir jetzt auch alles klein
warum nicht
aber weißt Du warum wir das alles machen
weil leser hiermit nachdenken
sind wir toll
aber hallo
revolutionär
nennen wir uns die gruppe 2006
wir sind doch nur zwei und drei sind erst eine gruppe
ist uns doch egal
Okay, hier wohne ich! Komm’ rein!
Ich weiß auch nicht mehr, wer was gesagt hat!
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