Ich trage meinen Kotz-Eimer zum Klo.
Wenn ich doch wenigstens einen Kerl gehabt hätte
der Herbert Grönemeyer hieß.
Hätt’ der mir ein schönes Lied geschrieben
aber so macht es keinen Spaß zu sterben.
Was mach’ ich denn jetzt noch schnell?
Einen Baum pflanzen?
Nö, es regnet.
Meine Mutter anrufen?
Nein, ich will nicht wissen, welche Fälle Amy hatte
und was sie zum Mittag isst.
Die hat Tim Melzer auch viel lieber als mich.
Einen Pinneberger, Paah!!
Abhauen hat auch keinen Sinn.
Wer zur Hölle hat eigentlich “Bitte melde Dich” abgesetzt?
Genau das wäre es jetzt!
Ich sitze in Kenia und seh’ im TV weinende Augen,
schluchzend auch andere Freunde, die sich ernsthaft Sorgen machen.
Ein Foto wird von mir gezeigt und Tarzan neben mir schaut mich kurz an.
“Ist das nicht Vicky Leandros?”, würde ich sagen.
“Gott, ist die alt geworden!”
Und alles hätte gut werden können, wenn nicht Du mir gerade auf die Schulter getippt hättest und fragst, ob ich zu lange am Nagellackentferner geschnuppert hätte.
Ist ja schon gut, denke ich mir eben was anderes aus!
Haben wir noch stärkere Lösungsmittel im Haus?
“Wenn ich es könnte, würde ich jedenfalls gegenständlich malen, so wie Balthus, sagte er, “ganz sicher würde ich, wäre ich Maler, gegen die Welt anmalen, ich würde anklagen und aufklären!”
Ich bemühte mich nicht all zu verächtlich zu lächeln, sondern geduldig zuzuhören und erwiderte:”Mach’ es doch einfach! Dann würdest du also wie Balthus auch überall noch deine Ehefrau in diese Bilderwelt hineinmalen, liegend, oder nackt, mal hier, mal dort, jedoch immer harmlos und schön?”
“Natürlich würde ich versuchen, das Kitschige zu vermeiden”, verteidigte er sich, “aber dieser Realität muss geantwortet werden, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln hat die Kunst der aus den Fugen geratenen Welt entgegenzuwirken, und sei es durch Entlarvung des Hässlichen oder durch das immer wieder neue Entdecken des Schönen!”
“Dann mach’ es doch!”, sagte ich und schluckte mehrmals leer.
“Eine Reaktion auf diese Welt kann natürlich auch sein, dass ich als Künstler sage: Nein, jetzt setze ich noch eins drauf, nein jetzt dränge ich mich mit meiner Sicht nicht in den Vordergrund! Jetzt mische ich mich nicht auch noch ein!
Jetzt reagiere ich nicht mehr tölpelhaft direkt!
Ich agiere jetzt!
Nehme mir die Freiheit in einem unbegrenzten Raum Ruhe zu gestalten,
indem ich eine gesichtslose Fläche so bemale, wie es mir bekommt!”
Er nahm eine weiße Leinwand zur Hand.
“Ist es im Chaos der Signale und Impulse, in der übersättigten, beschleunigten Alltagswelt nicht eine Wohltat, sich vor einem reinweißen Bild wiederzufinden?”
Er hat mir dann aber doch noch ein Bild abgekauft.
Es ist entschieden!
Ich werde meine Silberfischzucht aufgeben!
Mir fehlt einfach zu sehr die gesellschaftliche Anerkennung für meine Arbeit.
In hunderten von Interviews haben sie mir von ihrer Unterdrückung erzählt.
Ihrer Untergrundarbeit und der Gefahr, bei jeder Sichtung eines Menschen, einfach zertreten zu werden. Da war Richard. Drei seiner Brüder starben so. Seine Schwester Ludmilla, vormals eine äußerst lebenslustige Person, die große Zukunftspläne schmiedete, entwickelte schließlich Panik-Attacken und verlässt seitdem überhaupt nicht mehr den Fugenriss. Therapeutische Hilfe lehnte sie strikt ab und ich kann es ihr nicht mal verdenken. Ein Schicksal von Tausenden, nein Millionen oder noch mehr. Die Dunkelziffer ist erschreckend hoch. Was ist das für eine Welt in der Marienkäfer Entzücken auslösen, während man dieser Gattung Tier, mit so einem Hass begegnet?
Ich habe versagt. Mit ihnen resigniert. Politisch wollte ich etwas bewirken für diese wunderschönen Tiere. Wie kann man sie nur nicht mögen? Silbern glänzen sie und welcher Fisch kann schon an Land überleben? Allein der Borniertheit der Menschen ist es zu verdanken, dass sie vom Aussterben bedroht sind. Dabei teilen sie gern ihren Lebensraum mit uns. Bleibt mir noch, allen Unterstützern und Weggefährten zu danken und mich für mein Unvermögen zu entschuldigen.